Die Bedeutung von Freundschaft in der Krise

In einer Krise kann Freundschaft das Leben bedeuten. Freundschaft wird wieder wichtiger, als sie es zu jüngst vergangenen Zeiten war, die als ruhig bezeichnet werden können. Ohne Freunde ist man nun aufgeschmissen, wenn es brennt. Darum habe ich mir sehr viele Gedanken gemacht und auch meine Freundschaften überdacht. Etwas zu dem ich auch anderen raten möchte. Denn es kommen sehr harte Zeiten auf uns zu und halbe oder falsche Freunde braucht niemand.

Freunde in Zahlen

Wir Deutschen haben im Schnitt 3,7 sehr gute,  beziehungsweise sehr enge Freunde und ca. 11 gute aber lockere Freunde. Der gesamte Freundeskreis, zu dem auch Bekannte gehören zählt 40-50 Personen, dann kommen nur noch die erweiterten sozialen Kontakte. Die meisten kennen ihre Freunde von der Arbeit, mir ist das noch nie passiert, bei mir sind höchstens ein paar Leute aus der Schulzeit hängen geblieben. Tatsächlich habe ich viele Freunde aus dem Vereins Leben und durch gleiche Interessen kennen gelernt. Denn das verbindet. Wer also keine Freunde hat, der kann sich in der Schule, auf der Arbeit oder in Vereinen nach neuen Leuten umsehen. Für viele regelt aber auch das Internet die Sache mit den Freunden. Sprich gemeinsame Gruppen auf Facebook oder neue Bekanntschaften auf Instagram. Hier zählen vor allem Gemeinsamkeiten (Hobbys oder ähnliches).

Warum sind Freundschaften wichtig?

Freundschaften suggerieren uns das Gefühl von Sicherheit. Ohne gute Freunde befinden wir uns im luftleeren Raum, wenn die Freundin uns vor die Tür setzt oder wenn am 25. des Monats der Kühlschrank leer ist. Hast du Freunde? Du kannst dir die Frage schon sehr leicht damit beantworten, wer bei deinem letzten Umzug da war oder bei wem du dich über deine Beziehung ausheulen durftest ohne abgewimmelt zu werden. Echte Freunde helfen und hören zu, damit ist schon sehr viel gesagt, was Freundschaft bedeutet.
Es ist überaus sinnvoll Freundschaften zwischendurch gedanklich auf den Prüfstand zu stellen. Wer hat nie Zeit, lügt und ist unzuverlässig? Streich diese Leute nicht gleich, aber sortiere sie in deinem Kopf als Bekannte ein, sonst bist du nur enttäuscht. Echte Freunde zu verlieren kann mitunter genauso wehtun, wie eine Trennung von einem Partner oder einer Partnerin. Auch hier spreche ich aus Erfahrung. Wenn eine echte Freundschaft beendet wird, dann ist das eine äußerst tragische Angelegenheit.

Freunde erden uns und geben uns also ein Gefühl der Sicherheit. Und Sicherheit wird immer wichtiger.

Freundschaften in der Krise

In der Corona Krise, in den Lockdowns und auch, als ich selbst kürzlich Corona hatte, wurde mir wieder schlagartig klar, dass Freunde mitunter das wichtigste im Leben sind. Im Kopf habe ich mehrfach überlegt mit wem ich mich zusammentun würde, im Falle eines Zusammenbruchs. Hier bewähren sich starke Nachbarschaft und Hofgemeinschaften ebenso wie Banden, die man in seinem Viertel mit alten Freunden gründen kann.
Mit wem zusammen könntest du dein Haus verteidigen, mit wem würdest du dich in einer Welt voller Gefahren aus deiner Komfortzone heraus trauen und Nahrung beschaffen, wenn die Vorräte sich dem Ende neigen? Wer würde sich vor dich stellen und vor wen würdest du dich stellen? Wer würde dir garantiert nicht in den Rücken fallen? Wer würde mit dir arbeiten, etwas bauen oder gar sein letztes Essen mit dir teilen?
Ich kann nur dazu raten den Freundeskreis zu minimieren. Lieber nur ein paar gute Freunde, als viele Leute unter denen auch welche sind, die dir hinterrücks das Messer in die Rippen rammen, wenn die Zeit gekommen ist. Das ist hier natürlich ein Bild das ich zeichne. – So drastisch muss es gar nicht sein, aber oft reicht in der Krise schon aus, dass ein „Freund“ für dich nicht zum Supermarkt fährt, wenn du an Corona erkrank bist. Und auf solche Personen ist doch zu verzichten, oder etwa nicht? Manchmal fällt es auch wie Ballst von einem ab, wenn man ein paar Freunde  aussortiert.

Die magischen 150

Ganz lockere Bekannte mit denen wir ein paar Schnittstellen haben, haben wir im Schnitt 150. Dazu hat auch der britische Anthropologe Robin Dunbar geforscht. So fand Dunbar heraus, dass das menschliche Netz sozialer Kontakte bestimmten Algorhythmen folgt und immer maximal um die 150 Menschen umfasst. So begrenzen viele Gemeinschaften, wie früher auch die Dörfer oder die Glaubensgemeinschaft der Amisch People noch heute ihr direktes Umfeld auf maximal 150 Personen. Danach splittet es sich erneut auf und so weiter. Bei der Armee ist es ähnlich: Drei Züge bilden mit 150 Mann eine Kompanie.
Klar haben manche Menschen bei Facebook 500 Freunde, jedoch sind das nur Facebook Kontakte. Das sollte nicht verwechselt werden. Trotzdem hat der Mensch im Hirn nur Platz für ein gewisses Kontingent an näheren Bekanntschaften, was selbstverständlich auch immer mal  fluktuiert und an gemeinsame Interessen oder Schicksale geknüpft ist.
Als Dunbar in den 90´ern seine Forschung begann und auf die magischen 150 Kontakte kam, die wir lose pflegen können, gab es das Internet noch nicht in der Form wie heute. Robin Dunbar hat sich selbst revidiert und inzwischen seine Annahme nach oben geschraubt. Nun ist er überzeugt, dass wir uns mehr oder weniger um 180 Menschen im Form von loser Bindung kümmern können. Dank Social Media sind wir anscheinend trainierter, als noch vor 30 Jahren. Trotzdem frage ich mich nach dem Mehrwert. Ich persönlich kann da in diesem Zusammenhang keinen Mehrwert finden.

Freundschaften pflegen

Die meisten Menschen haben ihre guten Freunde noch aus der Kindheit oder aus der Jugend. Da konnten noch echte Freundschaften entstehen, weil in der Jugend einfach viel mehr Zeit ist für die Kontaktpflege. Freundschaft die im Erwachsenenalter entsteht ist oft oberflächlicher und hält nicht immer dem Druck des Alltags stand. Brücken schlagen können hier gemeinsame moralische oder politische Ansichten. Auch aus gemeinsam durchlebten Krisen können tiefe Verbindungen entstehen. Das gibt Hoffnung.

Lesetipp: Mit Foodsharing durch die Krise.

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